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Kennzeichen
Grösste mitteleuropäische Wespenart; Arbeiterinnen 18—25 mm, Königinnen 25—35 mm, Männchen (Drohnen) 21—28 mm
Kopf und Bruststück (Thorax) mit mehr oder weniger rötlicher Kennzeichnung, Scheitel und Wangen kupferrot gefärbt. Bruststück dunkelbraun ohne Gelbfärbung; Bruststück bei der Unterart Vespa crabro germanica mit zwei nach vorn auseinander laufenden rötlichen Strichen, die ein V-förmiges Zeichen bilden. Bei der Unterart Vespa crabro crabro fehlen diese Streifen. Hinterleib (Abdomen) mit typischer schwarz- gelber Wespenfärbung.
Ähnliche Art
Die Königin der Mittleren Wespe ähnelt einer Hornissenarbeiterin. Jahreszeitliches Auftreten Langer Lebenszyklus. Überwinterte Königinnen ab Anfang Mai, Arbeiterinnen von Anfang Juni bis Ende Oktober, Jungköniginnen und Männchen von Mitte August bis Ende Oktober.
Volksstärke
100—700 Tiere gleichzeitig, im nördlichen Verbreitungsgebiet, etwa nördlich der Mainlinie, lndividuenzahlen geringer. Verbreitung/ Lebensraum In fast ganz Europa, überschreitet den 63. Breitengrad (etwa Mittelskandinavien) aber nicht. Bewohnt artenreiche Mischwälder, Auwälder und Parklandschaften mit Eichen, Eschen und Birken. Nistet in grösseren Baumhöhlen, aber auch in grossen und kleinen Hohlräumen im menschlichen Siedlungsbereich wie Rollladenkästen, Dachböden, Geräteschuppen, Nistkästen usw. Nest Baumaterial wird an morschen Holz- stücken gesammelt. Nestfarbe ockerfarben bis bräunlich. Freihängende Nester starker Völker sind von ca. 60 cm Höhe und c.a. 30 cm Durchmesser. Altere Nester erscheinen unten wie abgeschnitten mit grosser Einflugöffnung. Nesthülle stark strukturiert mit zahlreichen muschelartigen Lufttaschen. Wabenbau meist aus fünf bis acht übereinander gebauten, horizontal angelegten Waben, die mit zahlreichen Tragstielen verbunden sind. Bei sehr starken Völkern bis zu zwölf Wabenetagen, vereinzelt noch mehr.
Verhalten
Verteidigen sich nur, wenn sie im unmittelbaren Nestbereich oder einem Um kreis von ca. fünf Metern gestört wer den. Ausserhalb dieses Bereichs in keiner Weise angriffslustig. Stiche für den gesunden Menschen ebenso ungefährlich wie Stiche von Bienen und Wespen. Probleme treten nur bei Allergikern auf. Nahrungssuchende Hornissen werden dem Menschen nicht lästig.
Nahrung
Zur Aufzucht der Brut wird tierisches Eiweiß benötigt. Hierfür werden andere Insekten, hauptsächlich Fliegenarten, Wespen, auch viele „ Forstschädlinge“ wie Raupen des Eichenwicklers oder der Kiefernbuschhornblattwespe, verschiedene Spannerraupen, gelegentlich auch Bienen sowie Spinnen gejagt. Vollinsekten ernähren sich hauptsächlich von Kohlenhydraten, die durch die Aufnahme von Baumsäften, bevorzugt von Eichen, Eschen und Birken, gewonnen werden. Gefährdung Zerstörung von Nistmöglichkeiten durch Rodung alter Bäume, Umwandlung von Laub- in Nadelwälder. Einsatz von Pestiziden und gezielte (illegale) Vernichtung von Kolonien durch chemische und mechanische Zerstörung. Seit 1984 in der BRD auf den „Roten Listen“ der gefährdeten Tier- und Pflanzenarten unter Schutzkategorie 3 (,‚Gefährdet). Regional bereits verschwunden oder sehr selten. Seit 1.1. 1987 als besonders geschützte Tierart in die Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung der BRD (BArtSchV) aufgenommen. In Osterreich durch Verordnung der Landesregierung in der Steiermark geschützt, jedoch nicht an allen Lebensstätten. Schweiz: bislang nicht geschützt
Schutzmaßnahmen
— Schutz der Lebensräume — Erhaltung der Nistplätze — Keine Chemikalienanwendung — Erhaltung oder Schaffung naturnaher Mischwälder — Anbringung von Nistkästen — Umsiedlung von Kolonien an problematischen Standorten (in der BRD Ausnahmegenehmigung durch Naturschutzbehörde erforderlich)
Wissenswertes
Die Hornisse kann durchaus ein wehrhaftes Tier sein, wenn es darum geht, ihr Nest zu verteidigen. Die Gefährdung für Menschen und deren Haustiere durch die Hornisse wird jedoch in aller Regel übertrieben - sie ist wesentlich geringer, als es im Volksmund verbreitet wird (Sprichwort: "7 Stiche töten ein Pferd, 3 Stiche einen Menschen"). Das Gift ist vergleichbar mit dem von Bienen und anderer Wespen, allerdings nicht identisch - es weist sogar eine geringere Toxizität auf. Der Hornissenstich wird jedoch etwas schmerzhafter als der einer kleineren Wespe empfunden. Gründe hierfür liegen im sehr hohen Anteil des Neurotransmitters Acetylcholin, einer als brennend empfundenen Substanz im Hornissengift. Zudem verursacht der grössere Stacheldurchmesser und die Länge des Stachels, der in tiefere, empfindlichere Hautschichten eindringen kann, ein höheres Schmerzempfinden. Ein Hornissenstich ist im Allgemeinen nicht tödlich; als mögliche Ausnahme müssen nur wie bei jedem Insektenstich oder -biss Allergiker genannt werden. Nur bei etwa 2 - 3% der Bevölkerung können Hornissenstiche allergische Reaktionen auslösen. Bei Stichen im Mund- oder Rachenraum sollte wegen der Gefahr der Anschwellung in jedem Fall ein Arzt zu Rate gezogen werden. Tatsächlich sind für eine Lebensgefährdung etwa 500 bis 1.000 intensive Hornissenstiche Voraussetzung. Da nur etwa ein Zehntel der Hornissen eines Nestes stechen, wird diese Zahl niemals erreicht. Stiche durch Hornissen lassen sich durch einen respektvollen Umgang fast sicher vermeiden. Entgegen aller überlieferter Vorurteile ist die Hornisse also kein gefährliches Insekt. Sie ist sehr friedfertig und nicht giftiger als andere Wespen oder auch Honigbienen.
Umgang mit Hornissen
Umgang mit fliegenden Hornissen
Jagende oder sammelnde Hornissen, die sich nicht in der direkten Umgebung ihres Nestes befinden, stechen nur, wenn sie gequetscht werden. Sonst versuchen sie zu fliehen. Zudem naschen Hornissen nicht an Süssspeisen, daher kommt man mit ihnen am Kaffeetisch nicht so leicht in Kontakt wie mit anderen Wespenarten. Hornissen fliegen zuweilen - wie andere Insekten auch - nächtliche künstliche Lichtquellen an, häufig können sie sich deren Bann dann nicht mehr entziehen. Durch Löschen der Lichtquelle finden sie allerdings ihre Orientierung schnell wieder und verlassen dann meist von selbst den aufgesuchten Ort. Sollte dies einmal nicht geschehen, kann man der verflogenen Hornisse einfach ein Glas überstülpen, dieses mit einem untergeschobenen Papier abdecken und dann das Insekt nach draussen in die Freiheit befördern. Bei regelmässigen "Besuchern" können die entsprechenden Fenster einfach mit preiswertem Fliegengitter aus dem Fachhandel verkleidet werden. Hornissen fliegen nachts noch bei sehr geringen Lichtstärken, die der Mensch bereits als völlige Dunkelheit empfindet.
Umgang mit Hornissennestern
Hornissen verteidigen ihr Nest. Der Verteidigungsradius schwankt je nach Volk in der Regel zwischen drei und sechs Metern. Werden die Tiere häufig gestört, erweitert sich dieser Radius. Innerhalb dieses Bereiches sollte man hektische Bewegungen und Erschütterungen wie Rasenmähen vermeiden. Ausserdem werden Hornissen durch Anatmen oder Anpusten zum Stechen gereizt. Hornissennester sind an der Unterseite offen. Die Tiere lassen ihren Kot einfach aus dieser Öffnung fallen. Da ein grosses Volk etwa ein halbes Kilogramm Insekten pro Tag frisst, kann der Kot unterhalb des Nestes Bauschäden verursachen. Als Gegenmassnahme kann man ein grosses Gefäss mit saugfähigem Material unterstellen. Hornissen stehen unter Naturschutz. Deshalb dürfen bewohnte Nester in der Bundesrepublik Deutschland nicht vernichtet werden. Muss ein Volk aber dennoch entfernt werden, kann es oft von geschulten Personen umgesiedelt werden. Dazu ist eine Ausnahmegenehmigung nötig. Auskunft erteilt die Stadt oder Kreisverwaltung.
Durch Anbringen spezieller Nistkästen in siedlungsfernen Naturzonen wird seit einiger Zeit in Deutschland versucht, das jeweilige Gebiet durch Schaffung künstlichen Nistraums für Hornissen attraktiver oder überhaupt besiedelbar zu machen. Der bekannteste und vom Ergebnis her am besten besiedelte Nistkasten ist der so genannte „Mündener Hornissenkasten“.
Besondere Verhaltensweisen der Hornisse
Die Arbeiterinnen eines Hornissennestes bauen untereinander eine Hierarchie auf, ähnlich der Hackordnung bei Hühnern. Daher herrscht unter den Tieren eines Nestes stets ein gewisses Maß an Aggression, was in seltenen Fällen soweit gehen kann, dass einzelne Tiere sich gegenseitig zu stechen versuchen. Die harmlose Form ist das so genannte Mauling, die heftigere Form, bei der die Tiere sich sogar töten können, ist der Kommentkampf bzw. der Beschädigungskampf. Hornissen können ihr Volk umziehen, wenn ihnen der Hohlraum - in dem sich das Nest befindet, beispielsweise ein Vogelnistkasten - zu eng wird. Man nennt diesen Vorgang Filialbildung oder auch Nestversetzung. Untermieter der Hornisse Der Hornissenkäfer (Velleius dilatatus) - oder besser auch Hornissenkurzflügelkäfer genannt - lebt in allen Entwicklungsstadien mit im Hornissennest. Er lebt unten in den Abfällen und ernährt sich von den Futterresten der Hornissen, aber auch von toten Hornissen und Fliegenlarven. Er ist also ein Kommensale (Mitbewohner) bei Hornissen. Systematik Eigentliche Unterarten gibt es von der Hornisse Vespa crabro nicht, alle ehemals beschriebenen Formen werden heute nur noch als geografische Varianten angesehen. Dies sind im Einzelnen: Vespa crabro crabro Vespa crabro altaica ist weit verbreitet in der Waldzone Westsibiriens, wo sie von der nördlichen Taiga bis zur Waldsteppe angetroffen werden kann. Von allen geografischen Farbformen ist sie die auffälligste und ungewöhnlichste. Vespa crabro borealis Vespa crabro caspica Vespa crabro chinensis Vespa crabro crabroniformis Vespa crabro flavofasciata bewohnt in Japan große Teile der Hauptinseln Hokkaido, Honshu, Shikoku und Kyushu, wo sie regelmäßig, aber nicht übermäßig häufig angetroffen werden kann. Vespa crabro germanica Vespa crabro oberthuri Vespa crabro vexator bewohnt den Süden Englands mit Verbreitungsschwerpunkt in der Grafschaft Hampshire (New Forest Area), wo man sie immer noch regelmäßig findet. Verwechslungsmöglichkeiten Die Königin der Mittleren Wespe (Dolichovespula media) sieht der Hornissenarbeiterin sehr ähnlich. Diese zwei Arten werden daher manchmal miteinander verwechselt. Im südlichen Europa ist die verwandschaftlich sehr nahestehende Orientalische Hornisse (Vespa orientalis) vorzufinden, die auf den ersten Blick sowohl von der Größe als auch von der Farbgebung her nur wenige Unterscheidungsmerkmale zur Vespa crabro aufweist. Aber auch ganz andere Insektenarten wie beispielsweise der Hornissenschwärmer, einige Arten der Keulenhornblattwespen oder die Hornissenschwebfliege haben im Laufe ihrer Entwicklungsgeschichte das Aussehen der Hornisse angenommen, um sich vor Fressfeinden besser zu schützen.
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